Die traditionellen plattdütschen Pfingstsprüche


Holle Polle Tolle

Holle Polle Tolle, eck weit woll wat eck wolle
häeir räie eck up´n Hoff;
de Kaiser und de Bischoff, de Kaiser un de Könnig,

Giv meck nich te wennig,
de Hahn un de Hinne, de sätt´n oben inne,
de Katt´n un de Maus, däe leip´n ub´m taun Faste raut!

Das "ub´m" wird langgezogen laut gebrüllt.




Beim Schaffer ansetzten:

De Pingest´n sinn verflut´n, ett Gosebaier is esup´n,
eck wünsche all´n Füeschen Männren, Frauen, Knecht´n, Mägd´n, Kinnren Gesundheit,
en Hauern de Rundheit.
Vivat Musikanten!


Für die Schaffer:
Eck sette ......  taun Bauernschaffere an, wer da wat giegen hätt, däe spräke jetz un schwäige hernah.
Vivat Musikanten!


Schafferspruch Bauernschaffer


Schafferspruch Kötner(Arbeiter)schaffer





Die Geschichte des Kranzreitens und des Pfingstfestes in Förste gestern und heute

(MK) Schon seit ewigen Zeiten gibt es in Förste den Brauch des Kranzreitens zu Pfingsten. Der alte Brauch ist bis auf die Zeit des Sachsenkönigs Heinrich I. zurückzuführen. Dieser ordnete zur Zeit der Hunneneinbrüche um das Jahr 933 an, dass jeder, der 13 Jahre alt ist, sich im Waffen- und Reiterdienst zu üben hat. Als Folge dieser Bestimmungen ordneten die Besitzer der beiden großen Güter in Förste das Kranzreiten an.


Höhepunkt des Förster Pfingstfestes ist das Kranzreiten

In einem Gemeinderatsbeschluss von 1953 ist genau festgelegt wie das Pfingstfest und damit auch das Kranzreiten abzulaufen hat.  Im Folgenden sollen die damaligen Festlegungen mit den heutigen Gegebenheiten verglichen werden. Wobei einige Passagen aus dem Gemeinderatsbeschluss heutzutage ein wenig zum Schmunzeln sind.

In dem Beschluss ist niedergeschrieben, dass der Bauernschaffer und der Arbeiterschaffer das Kranzreiten und das Pfingstfest in Förste zu organisieren haben. Seit 1971 erfolgt die Durchführung des Kranzreitens durch den Förster Reit- und Rennverein. Die Organisation des Pfingstfestes erfolgt aber noch in Teilen nach den alten Traditionen durch die beiden Schaffer.

So ist in dem Beschluss festgelegt, dass die Musik möglichst schon in der Zeit vor Ostern bestellt werden sollte. Wobei zu beachten ist, dass die Kapelle 10 bis 12 Mann stark ist. Es wird empfohlen, die Tanzkapelle „Hugo Sitas“ aus Osterode zu engagieren, solange es die noch gibt. Am Himmelfahrtstage hatten die Schaffer das Recht auf der Burgwiese am Lichtenstein an die Förster Einwohner gegen Entgelt ein Glas Schnaps auszuschenken. Nach altem Brauch haben die Schaffer und auch die Jagejungen auf der Burgwiese ihr Pfingstmädchens auszusuchen und zu bestellen. Leider ist der Brauch den Himmelfahrtstag auf der Burgwiese im Lichtenstein zu begehen seit einigen Jahren nicht mehr möglich. Das mit dem Schnaps ausschenken erfolgt heute am 1. Mai unter den Eichen. Der schöne Brauch mit den Pfingstmädchen ist leider auch weitestgehend in Vergessenheit geraten.

Weiter heißt es in der Chronik, dass am Pfingst-Sonnabend morgens früh die Schaffer mit einem Gespann zum Lichtenstein fahren und das Birkengrün für das Festzelt, die Kirche und das Denkmal holen. Das Binden der Kränze für die Sieger des Kranzreitens hat durch die Pfingstmädchen zu erfolgen. Heute erfolgt das Binden der Kränze durch einen örtlichen Gartenbaubetrieb,  das Maigrün wird aber immer noch frühmorgens geholt im Dorf ausgefahren und gegen einen freiwilligen Obolus zum Schmücken der Häuser abgegeben. Natürlich wird auch noch die Festhalle damit geschmückt.

Weiter heißt es, dass am Pfingst-Sonnabend im Festzelt ein Kommers statt findet, verbunden mit dem traditionellen Schwärtchen-Essen. Die Kapelle ist durch den Festwirt mit Getränken zu entlohnen. Die Schwärtchen hat der Festwirt den Schaffern für die Ausschmückung des Festzeltes zu überlassen. Die Schaffer tragen die Schwärtchen-portionen persönlich aus und kassieren dafür ein Entgelt. Das beliebte Schwärtchen-Essen gibt es immer noch, aber die Regularien hinsichtlich der Entlohnung der Kapelle und des Schwärtchen-Essens haben sich deutlich verändert. Früher war alles besser.

Am 2. Pfingsttag, heute am 1. Pfingsttag
findet auf der Jagewiese das Kranzreiten statt. Die Lage der Jagewiese hat sich mehrfach verändert. Bis 1882  fand das Kranzreiten auf dem Pfingstanger statt. Von dort wurde es verlegt auf die Wiese von der Nienstedter Sösebrücke bis zur Kreisbahnbrücke. Seit 1968 findet das Kranzreiten auf einer Wiese am Kiessee zwischen Eisdorf und Förste statt. Frühmorgens steht die Wiese zum Probereiten zur Verfügung. Um 12.30 Uhr versammeln sich die Reiter mit ihren Pferden, die Schaffer und die Musikkapelle vor dem Schwarzen Bären zum Abmarsch. Auf das Kommando der Schaffer setzt sich der Zug in der Reihenfolge Kapelle – Schaffer – Reiter zur Jagewiese in Bewegung. Die Schaffer tragen einen Zylinder mit buntem Band. Die Reiter tragen einen weißen Kittel. So ähnlich wird das auch noch heute gehandhabt.

Weiter heißt es, dass nur Söhne von Bauern aus Förste zugelassen sind, die nicht verheiratet sind und auch nur einheimische Pferde reiten dürfen. Die Reiter müssen auf blanken Pferden reiten ohne Sattel oder Decke. Heute gibt es mehrere Rennen an denen sehr viele auswärtige Reiter teilnehmen. Das Traditionsfeld aber reitet noch nach den alten Regeln. Die Rennstrecke musste früher dreimal geritten werden. Nach zwei Probeläufen erfolgte der Hauptlauf, bei dem der Reiter, der als erster das Ziel- den auf einer Gabel aufgehängten Birkenkranz - erreicht, Sieger ist. Heute gibt es einen Rundkurs, der vom Traditionsfeld einmal absolviert werden muss.  Kampfrichter ist der Bauern-Schaffer während der Arbeiter-Schaffer als Starter wirkt. Der Start wird auf ein Zeichen des Schaffers durch einen Trompetenstoß ausgelöst. Heute liegt die Veranstaltung in den Händen des Förster Reitvereins.

Nach Beendigung des Reitens nehmen die Reiter Aufstellung und marschieren, nachdem den Siegerpferden die Kränze umgelegt wurden, unter Vorantritt der Schaffer mit Musik zum Festplatz. Unter der im Jahre 1883 gepflanzten Luther-Eiche tanzen nun die Schaffer und die Jagejungen mit ihren Pfingstmädchen drei Ehrentänze. Dieser Ablauf gilt im Wesentlichen auch heute noch. Nach den Tänzen erfolgte die Siegerehrung und die Sieger und die Schaffer bekamen insgesamt 27,75 DM von der Gemeinde. Diese Zahlung resultiert aus der Ablösung einer alten Leistung durch das Rittergut Oldershausen und dem Gut Sindram. Diese beiden Güter hatten die Verpflichtung drei Schock Eier und Schafskäse für die Schaffer und Jagejungen zu liefern. Diese Verpflichtung haben die Güter abgegolten durch die Zahlung einer Summe Geldes an die Gemeinde. Die Zahlung seitens der Gemeinde ist im Laufe der Jahre wohl auch in Vergessenheit geraten. Früher war alles besser.

Für den Tanz im Festzelt kassierten die Schaffer ein Tanzgeld. Von diesem Geld sind die Musik, die Versicherungen und die Gema zu bezahlen. Die Unterhaltung der Tanzfläche, das Kehren und Streuen von Saalglätte obliegt den Schaffern. Die Beantragung der Polizeistunden-Verlängerung ist ebenfalls Sache der Schaffer. Mit Ausnahme der Polizeistunden-Verlängerung ist alles noch so wie 1953 festgelegt.

Am 3. Pfingsttag, heute am 2. Pfingsttag, versammeln sich die Jagejungen mit ihren Pferden auf dem Schützenplatz. Sie tragen wieder die Jagekittel, dazu einen Hut mit bunten Bändern. Dann beginnt das sogenannte Tollen. Die Jagejungen reiten vor jedes Haus und rufen im Sprechchor folgenden Reim:
„Holle, polle tolle, eck weit woll, wat eck wolle,
Eck reihe heier uppn Hoff;
De Kaiser un de Bischoff, de Kaiser un de Könnig,
Giv meck nich te wennig,
De Hahne und de Hinne,
Seiten unnen inne,
De Katte un de Maus,
Leipen umen Faste raut.“

Die Jagejungen erhalten nun von den Einwohnern eine Spende in Form von Eiern oder Geld. Alles wird zum Schluss gleichmäßig verteilt.

Von den eingesammelten Eiern erhalten die Schaffer drei Schock. Diese hat der Festwirt am Abend während des Tanzens unentgeltlich an die Tanzenden zum sofortigen Verzehr zu verteilen. Das Tollen gibt es immer noch. Nur das Eierbraten erfolgt dann in der Nacht zum 3. Pfingsttag bei den neuen Schaffern.

Am 3. Pfingsttag, heute am 2. Pfingsttag, beginnt auf dem Festplatz das traditionelle Schmorwurst-Frühstück. Die Junggesellen sitzen an langen Tischen unter der Luther-Eiche und legen zum Frühstück ein Fass Bier auf. An der Eiche wird eine große Tafel angebracht mit folgender Inschrift: „Wer nach 9.00 Uhr kommt, muss zwei Mark bezahlen oder er wird mit dem Tode bestraft!“ Als Handwerkszeug hängt an der Eiche eine alte Sense und ein Strick. Zwei Junggesellen kassieren die Strafe ein. Der Ablauf ist heute noch der Gleiche, nur dass die Geldstrafe etwas höher ist und in Euro entrichtet werden muss.

Um 18.00 Uhr werden die neuen Schaffer für das nächste Jahr unter Mitwirkung der Kapelle angesetzt. Das ist auch heute immer noch so.

Bauernschaffer konnte nur werden, wer hauptberuflich Landwirt oder Bauer ist, mindestens einmal beim Kranzreiten am Start war und unverheiratet ist und keine Kinder hat.

Arbeiterschaffer konnte nur werden, wer Haus- und Grundbesitz hatte, oder dessen Eltern dieses hatten, unverheiratet ist und noch keine Kinder hat und noch nicht beim Kranzreiten mit geritten ist.

Heutzutage ist man froh, wenn sich überhaupt noch zwei junge Männer finden, die dieses Amt auf sich nehmen und das nächste Pfingstfest ausrichten. Unverheiratet und kinderlos, das ist meistens noch gegeben.

Unter der Eiche findet die Vereidigung der neuen Schaffer statt.
Die Vereidigung beginnt mit folgenden Spruch des amtierenden Schaffers:
„De Pingesten sind verfluten,
dat Gosebeier is e supen,
et sollt neie Schaffers anesettet weren,
Eck sette ……………… als Bauernschaffer an.
Wer wat da giegen hat,
Der spräke jetz un schwiege hannae.
Vivat Musekanten.“
Nun erwidert der neue Schaffer:

„De Pingesten sind verfluten,
dat Gosebeier is e supen,
…………het meck taun Bauernschaffer annesettet;
Wer da wat da giegen hat,
Der spräcke äben un schweige hannae.
Vivat Musekanten!“
Den gleichen Spruch müssen die Arbeiterschaffer aufsagen.
Danach sprechen die Schaffer und die Jagejungen einzeln folgenden Spruch:

„De Pingesten sind verfluten,
Dat Gosebeier is e supen,
eck wünsche all'n Füeschen Männren, Frauen, Knecht'n, Mägd'n, Kinnren Gesundheit,
en Hauern de Rundheit.
Vivat Musekanten!“

Nach dem Ausruf „Vivat Musekanten!“ muss ein Glas Bier ausgetrunken werden. Dieser 1953 beschriebene Ablauf erfolgt noch in der gleichen Art und Weise.  Mit der Ansetzung der Schaffer endet das Pfingstfest. Im Anschluss daran wird noch bis in den kommenden Morgen getanzt und gefeiert.

Dieses Jahr ist Lars Kasten Bauernschaffer und Volker Huchthausen Arbeiterschaffer. Beide laden die Einwohner von Förste und Nienstedt und den umliegenden Ortschaften recht herzlich zum Pfingstfest nach Förste ein. Sie hoffen auf eine große Beteiligung damit diese uralte schöne Tradition auch in Zukunft fortgeführt werden kann.

Bauernschaffer Lars Kasten  &  Arbeiterschaffer Volker Huchthausen




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